Die Grippe-Saison startete in diesem Winter ungewöhnlich früh. Besonders eine stark mutierte Variante des Grippevirus geht umher. In Italien wurden innerhalb einer Woche rund 800.000 Fälle gemeldet, auch in Deutschland steigen die Zahlen.
Italiens Gesundheitssystem steht gerade mächtig unter Druck. Daran schuld ist eine ungewöhnlich frühe und heftige Grippewelle. In nur einer Woche hat die oberste Gesundheitsbehörde in Rom (Istituto Superiore di Sanità, ISS) rund 800.000 Kranke verzeichnet. Wie der italienische Nachrichtensender Rai berichtet, arbeiten viele Krankenhäuser am Anschlag: Zimmer seien belegt, Patientinnen und Patienten müssten teilweise auf Tragen in den Gängen versorgt werden. Vor allem in Mittel- und Süditalien stünden die Notaufnahmen unter Druck.
"Die Grippewelle ist wie ein Tsunami", sagt Matteo Bassetti, Direktor für Infektionskrankheiten am Krankenhaus San Martino in Genu, gegenüber Rai.
Auch in Deutschland steigen die Grippefälle weiter an. Waren es in der Weihnachtswoche noch 10,41 Influenza-Fälle pro 100.000 Einwohner, lag die Zahl in der Folgewoche bereits bei 17,85 – das berichtet das Bundesministerium für Gesundheit im Infektionsradar.
Influenza Subklade K ist Schuld an "Virus-Tsunami"
Insbesondere die zunehmende Ansteckung mit der sogenannten Subklade K – einem untergeordneten Zweig in der Influenza-A-Viruslinie H3N2 – macht den italienischen Behörden Sorgen. H3N2 zirkuliert seit vielen Jahren und ist dafür bekannt, besonders bei älteren Betroffenen schwere Verläufe zu verursachen. Denn H3N2 infiziert vor allem die unteren Atemwege und verursacht deshalb häufig Lungenentzündungen.
Die Subklade K zeichnet sich durch eine Reihe von Mutationen aus, die das Oberflächenprotein betreffen. Das Virus kann sich so schneller ausbreiten und bestehenden Immunschutz umgehen – es ist ansteckender. Bisher gehen Experten allerdings nicht davon aus, dass die Variante auch für einen schwereren Krankheitsverlauf sorgt.
Laut dem aktuellen Wochenbericht der ISS wird sowohl ambulant als in auch Italiens Krankenhäusern ein höherer Anteil an A(H3N2)-Viren nachgewiesen, die Subklade K herrscht dabei vor. Gleiches beobachtet hierzulande das Robert-Koch-Institut: "Unter den Influenzaviren werden seit einigen Wochen überwiegend Influenza A(H3N2)- Viren nachgewiesen", heißt es dazu im aktuellen Wochenbericht.
Höhepunkt der Grippewelle ist noch nicht erreicht
In Italien gehen Experten davon aus, dass die Infektionszahlen weiter steigen werden. Zwar scheinen die Fallzahlen nach Neujahr etwas abgesunken zu sein, die aktuellen gemeldeten Daten spiegeln aber aufgrund von Verzögerungen durch die Feiertage möglicherweise nicht die tatsächliche Häufigkeit und Verbreitung wieder. Darauf weist die ISS in ihrem Report ausdrücklich hin.
Zum Jahreswechsel prognostiziert Anna Teresa Palamara, Leiterin des Instituts für Infektionskrankheiten am ISS, gegenüber Rai: "Wir stehen kurz vor dem Höhepunkt der Grippewelle. In den kommenden Wochen erwarten wir eine anhaltende Zirkulation der Viren".
Denn üblicherweise erreicht die Grippewelle ihren Höhepunkt erst im Januar und Februar. Beunruhigend ist außerdem der Blick in die südliche Hemisphäre. Australien vermeldete laut "Guardian" die "schlimmste Grippesaison seit Beginn der Aufzeichnungen". Auch das Vereinigte Königreich kämpft mit außergewöhnlich hohen Infektionszahlen.
Impfungen zeigen Wirkung – wenn auch deutlich geringer
Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC empfiehlt eine unverzügliche Impfung. Aber wenn sich das Virus in kurzer Zeit so stark verändert hat – ist die Grippeschutzimpfung dann überhaupt noch wirksam? Schließlich wurde die neue Variante H3N2 erst im Juni 2025 entdeckt. Für die Anpassung des saisonalen Grippeimpfstoffs war es da bereits zu spät.
Erste Studiendaten deuten darauf hin, dass der Impfstoff zwar etwas schwächer, aber immer noch ausreichend vor schweren Verläufen schützt. Laut ECDC liegt die geschätzte Wirksamkeit der derzeit in der EU verfügbaren saisonalen Impfstoffe zwischen 52 und 57 Prozent (gegenüber H3N2).
Zur Grippeimpfung rät die Ständige Impfkommission (Stiko) unter anderem
• Menschen ab 60 Jahren,
• Schwangeren,
• chronisch Kranken,
• Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen
• sowie Personen mit einem erhöhten beruflichen Risiko.
Die Stiko betont in ihrer Empfehlung, dass dies nicht bedeutet, dass sie anderen Personen von einer Grippeschutzimpfung abrät. Allerdings muss in diesen Fällen die Kostenübernahme zunächst mit der Krankenkasse geklärt werden.
So erkennen Sie, ob Sie eine Grippe haben
Grippe kann unterschiedliche Verläufe nehmen. Aber: "Typisch für Influenza ist ein schlagartiger Beginn – mit Fieber und Gliederschmerzen. Innerhalb von Stunden fühlen sich die Leute plötzlich richtig krank", sagt Uwe Popert von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin der Nachrichtenagentur dpa.
Die Symptome einer Grippe sind oft stärker ausgeprägt als bei einer klassischen Erkältung:
• starke Kopfschmerzen,
• trockener Reizhusten
und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl.
Schnupfen kommt bei einer Influenza hingegen eher selten vor. Und Ältere entwickeln oft kein Fieber.
Verläuft die Infektion ohne Komplikationen, bessern sich die Beschwerden meist nach fünf bis sieben Tagen wieder. Oft bleibt der Husten für insgesamt zwei bis drei Wochen.
Wenn Sie unsicher sind, finden Sie auch beim Patientennavi des Ärzlichen Notdienstes Hilfe.