Von Mäusen übertragen: Das muss man über das seltene Bornavirus wissen
Das Bornavirus, genauer das Borna-Disease-Virus 1 (BoDV-1), ist ein seltenes, aber potenziell sehr gefährliches Virus. Es ist in Mitteleuropa seit Langem als Verursacher der Borna-Krankheit bei Pferden, Schafen und anderen Säugetieren bekannt.
Dass das Virus auch den Menschen betrifft, wurde erst spät erkannt. Zwar gehen Fachleute davon aus, dass BoDV-1 schon seit Jahrhunderten vereinzelt schwere Hirnentzündungen ausgelöst hat, doch erst im Jahr 2018 gelang der eindeutige Nachweis, dass das Virus für diese oft dramatisch verlaufenden Enzephalitiden verantwortlich ist.
Das Bornavirus kommt in der Feldspitzmaus vor. Die Tiere scheiden das Virus in Urin, Kot und Speichel aus, wie es vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Bayern heißt. Zur Übertragung und dem Verlauf sei bisher noch sehr wenig bekannt, erklärt Prof. Dr. Dennis Tappe, der am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg zu Bornaviren forscht. „Der Erreger ist hochgradig gefährlich, aber auch hochgradig selten“, so der Experte. Bisher sind um die 55 Fälle bekannt, bei denen Bornaviren auch auf Menschen übergegangen sind. Das Bornavirus tritt hauptsächlich in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf. Diagnostizierte Todesfälle, die im Zusammenhang mit dem Virus stehen, gab es bislang jedoch nur in Deutschland.
Wie kann man sich vorm Bornavirus schützen?
Wie genau das Virus von der Feldspitzmaus auf den Menschen übergeht, ist noch nicht geklärt. Es seien verschiedene Übertragungswege aus der Umwelt möglich – etwa die Aufnahme des Virus durch Schleimhäute oder Hautverletzungen nach Kontakt zu kontaminierter Erde.
„Ähnlich wie bei Hantaviren ist auch eine Übertragung über die Luft, zum Beispiel über aufgewirbelten Staub beim Ausfegen von Schuppen denkbar“, so Tappe. Er rät deshalb gerade in ländlichen Gebieten dazu, immer eine FFP2-Maske und Handschuhe bei derartigen Arbeiten zu tragen, sofern die Gefahr besteht, Staub aufzuwirbeln.Lebende oder tote Spitzmäuse sollten nicht mit bloßen Händen berührt werden. Katzenbesitzer sollten zusätzlich darauf achten, dass keine toten Mäuse mit in den Wohnraum gebracht werden. Ein Risikofaktor ist laut Experte Tappe das naturnahe Wohnen an Feldern, doch wie es genau zur Übertragung des Bornavirus auf den Menschen komme, dazu gebe es noch viele offene Fragen, die noch von der Wissenschaft zu klären sind.
Welche Symptome deuten auf das Bornavirus hin?
Menschen können sich in extrem seltenen Fällen mit dem Bornavirus (BoDV-1 – Borna Disease Virus 1) anstecken. Die Folge ist eine meist tödlich verlaufende Hirnentzündung. Betroffene klagen zunächst über ein allgemeines Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen und Fieber. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kommen neurologische Einschränkungen – Sprachprobleme, motorische Störungen beim Gehen – hinzu, bis der oder die Erkrankte nach wenigen Tagen oder Wochen in ein Koma fällt.
„Die meisten Bornavirus-Infektionen verlaufen tödlich. Die wenigen Menschen, die eine Bornavirus-Infektion überlebt haben, erlitten schwere neurologische Schäden und sind heute schwerstbehindert“, berichtet Tappe.
Derzeit gebe es noch keine effektive Behandlung des Virus. Auch eine Impfung oder einen Frühtest auf Bornaviren gibt es nicht. Die Infektion kann daher nur in einem fortgeschrittenen Stadium, wenn bereits neurologische Symptome vorliegen, festgestellt werden.
Wie häufig treten Boronavieren - Infektionen auf?
Die Krankheit ist seit 2020 meldepflichtig. Seitdem seien dem Robert Koch-Institut (RKI) bis zu sechs akute Fälle von BoDV-1-Enzephalitis pro Meldejahr übermittelt worden. Zum Vergleich: Es wird geschätzt, dass in Deutschland jährlich ungefähr 200 Menschen vom Blitz getroffen werden und etwas mehr als 2000 Menschen jährlich in Deutschland bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommen. Infektionen mit dem Bornavirus zählen laut RKI zu den seltensten Erkrankungen in Deutschland. Ein Großteil der Fälle war bislang in Bayern aufgetreten, schreibt das LGL. Das Bornavirus kommt in Deutschland außerdem in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und angrenzenden Teilen benachbarter Bundesländer vor.
